Niedrigzinsen langfristig nutzen

Die aktuelle Zinslage stellt für Schuldner eine optimale Gelegenheit zur Umschuldung dar. Jedoch sollte hier ebenso wie bei neuen Baufinanzierungen darauf geachtet werden, dass das Zinsniveau langfristig garantiert wird.
Derzeit locken viele Institute mit sagenhaft günstigen Angeboten zur Baufinanzierung. Bis zu 2,0% per anno versprechen einige Hypothekenvermittler. Diese Situation ist sowohl für Neu-Bauherren, die noch das gesamte Projekt vor sich haben, als auch für solche, die bereits mit einem höheren Zinssatz mitten in der Tilgung stecken und eine Umschuldung anstreben, attraktiv. Durch die Wahl des richtigen Angebots kann hier viel Geld gespart werden.
Jedoch gilt es hierbei unbedingt zu beachten, für welchen Zeitraum der jeweils gewährte Zinssatz vom Institut garantiert ist. Viele der lukrativen Niedrigzins-Hypothekendarlehen sind nämlich variabel verzinst. Das bedeutet, dass der Zinssatz alle drei Monate neu festgelegt wird. “Die variablen Darlehen orientieren sich am 3-Monats-Euribor, der als Referenzzins gilt”, erläutert Jörg Pankalla von “Immokredit24.com” in einer Pressemitteilung. “Dies ist der Zinssatz, zu dem auf dem Interbankenmarkt kurzfristig Gelder ausgeliehen und aufgenommen werden können”. Derzeit liege dieser Zins bei 1,24% p.a., für die Baufinanzierer kämen dann noch 0,8% bis 1,3% Bruttomarge der Banken hinzu. Daraus ergebe sich das aktuelle Niveau von 2,0%, rechnet Pankalla vor.

Risiko ist fehl am Platz

Steigt nun der 3-Monats-Euribor zum nächsten Korrekturtermin an, steigen auch die Kreditzinsen. Die Folgen für eine langfristige Finanzierung mit größerem Volumen können gravierend sein. So erhöhen sich die Kreditabgaben für eine Darlehenssumme von 200.000 Euro bei einer Zinserhöhung um 1,0% bereits jährlich um 2.000 Euro. Zwar eignet sich ein variabel verzinstes Darlehen generell für kurzfristige Angelegenheiten: “Zwischenfinanzierungen wie die Auszahlung aus einem Bausparvertrag können auf diese Weise günstig vorfinanziert werden”, bestätigt Pankalla. Das Risiko ist jedoch für umfangreichere Vorhaben schlichtweg zu groß – vor allem wenn man sich die aktuelle Lage zu Gemüte führt. Das derzeit niedrige Zinsniveau wird spätestens mit dem Abklingen der Krise ein Ende haben und wieder nach oben schnellen, möglicherweise sogar drastisch. Das wird auch die variablen Darlehen erheblich belasten. Diese lassen sich zwar jederzeit umschulden, aber bis man die Notwendigkeit einer Umschuldung sieht, ist es oft schon zu spät und die niedrigen Zinsen sind wieder passé. Das ständige Risiko und die Spekulation zehren über die Jahre außerdem auch an den Nerven.
In einer Phase wie der jetzigen lohnt es sich daher, sich die günstigen Zinsen für die Zukunft zu sichern und sich für ein Darlehen mit längerfristiger Zinsbindung zu entscheiden. Die Zinsen sind hier zwar naturgemäß meist etwas höher als bei variablen Angeboten, aber gleichzeitig ist man unabhängig von der unsicheren Entwicklung auf dem Markt und kann die Tilgung sicher und planungsgemäß durchführen. Und wenn bei langfristigen, großen und wichtigen Finanzierungen wie einem Hausbau etwas zählt, dann ist es Sicherheit und Stabilität.

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