Umschuldung gescheitert – Arcandor ist insolvent
Der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hat Insolvenz angemeldet. Die Bundesregierung war letztendlich nicht bereit, für die Umschuldung der Unternehmenskredite mit Steuergeldern zu haften und verweigerte eine Staatsbürgschaft.
Seit geraumer Zeit hatte Arcandor-Chef Eick von Berlin die Zusage zu einer Staatshilfe in Höhe von 650 Mio. Euro gefordert, damit die über 700 Mio. Euro Konzernschulden refinanziert werden können. Nachdem bereits Opel mit Staatsgeldern aus dem Strudel der General-Motors-Insolvenz herausgezogen wurde, machten sich nicht wenige Beteiligte Hoffnungen, dass der Wahlkampf die große Koalition am Ende zu einer Entscheidung zu Gunsten der Karstadt-Beschäftigten zwingen würden.
Sinneswandel der Wähler
Jedoch wandelte sich die öffentliche Meinung im Zuge der Opel-Rettung. Viele Bürger begannen offenbar zu realisieren, dass es zu einer kettenreaktionären Verschleuderung ihrer Steuergelder kommen könnte, wenn nun auch Arcandor – der bereits lange vor der Krise durch Missmanagement ins Taumeln geraten war – geholfen würde. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der derzeit ein hohes Ansehen in der Bevölkerung genießt und bereits bei Opel eine “geordnete Insolvenz” ins Spiel brachte, konnte daher immer mehr Führungskräfte der Regierung zu einem deutlichen “Nein” bezüglich der Arcandor-Hilfen bringen. Kritisiert wurde darüber hinaus, dass die großen Arcandor-Gesellschafter wie die Bank Sal. Oppenheim und die Milliardärin Schickedanz noch durchaus mehr, bisher nicht ausgeschöpftes finanzielles Hilfepotenzial böten.
Ein neuer Anfang
Aufgrund mangelhafter Sanierungskonzepte blieb die geforderte Staatshilfe nun also aus, wodurch Arcandor wie angekündigt die Umschuldung nicht durchführen konnte und in die Insolvenz gehen musste. Das stellt jedoch nicht das Ende des gesamten Konzerns dar, da eine Insolvenz keineswegs gleichbedeutend mit einer Pleite und einem Zusammenbruch des Konzerns sein muss. Mit der Unterstützung erfahrener Insolvenzberater kann der Konzern – wenn auch natürlich unter erheblichen Arbeitsplatzverlusten und Schrumpfungsprozessen – neu aufgestellt werden und somit weiterhin existent bleiben. Welche Unternehmenssparten letztendlich in den Händen Arcandors bleiben und welche abgestoßen und verkauft werden, ist zwar noch offen – Interessenten sind aber bereits vorhanden. So führten die Spitzen der ehemaligen Karstadt-Quelle AG und der Kaufhof-Mutter Metro bereits vor der Insolvenz Fusionsgespräche vor dem Hintergrund der Gründung einer “Deutschen Warenhaus AG”. Der Handelskonzern Rewe soll des Weiteren dem Vernehmen nach Interesse an dem weitestgehend nicht von der Zahlungsunfähigkeit betroffenen Reiseveranstalter Thomas Cook bekundet haben. Die gescheiterte Refinanzierung ist also für Arcandor nicht das Ende, sondern vielmehr eine Chance zu einem Neuanfang.