EZB drückt Hypothekenzinsen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Aufkauf von Pfandbriefen im Wert von rund 60 Mrd. Euro angekündigt. Diese Maßnahme zur Bekämpfung der Kreditklemme dürfte vor allem Bauherren zu Gute kommen, die auf günstigere Hypothekendarlehen hoffen können.
Um das krisengeschüttelte Finanzsystem im europäischen Raum wieder in Schwung zubringen, hat die EZB in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche, teils drastische Schritte unternommen. Der auffälligste war bislang die Absenkung des Leitzinses von 4,25 Prozent auf das Rekordtief von 1,0 Prozent innerhalb weniger Monate. Im jüngsten Beschluss der Notenbank wird der Leitzins nun allerdings nicht mehr angetastet, da die Wirkung einer weiteren Senkung ohnehin eher fragwürdig ist. Stattdessen greift die EZB auf eine Praxis zurück, die schon bei der amerikanischen Fed und der britischen Notenbank zur Anwendung gekommen ist: Der massive Aufkauf von Pfandbriefen. Zwar wird der Umfang keine horrenden 1 Billion Euro wie bei den Amerikanern um Ben Bernanke betragen, aber die immerhin 60 Mrd. schwere Maßnahme wird nach Ansicht von Experten trotzdem spürbare Auswirkungen haben – im Positiven wie im Negativen.

Bauen wird billiger

Die positive Seite und das Ziel der Kaufaktion ist die Auflösung der Kreditklemme, die derzeit vielerorts beklagt wird. Durch die zusätzliche in den Markt gepumpte Liquidität will die EZB dafür sorgen, dass private und geschäftliche Bankkunden wieder einfacher an Kredite zu verbesserten Konditionen kommen. Vor allem aber für Bauherren zahlt sich der Kurs zumindest mittelfristig aus: Die Hypothekenzinsen werden aller Voraussicht nach endlich deutlicher zurückgehen. Bisher war dies trotz des 1-Prozent-Leitzinses nur in vergleichsweise geringem Maße der Fall: Für zehnjährige Hypothekendarlehen ging der Zinssatz zuletzt durchschnittlich von 5,20 auf 4,25 Prozent zurück, wie das Finanzportal Biallo ermittelt hat. Allein durch die Ankündigung der EZB-Aktion wurde bereits eine Tendenz nach unten erkennbar, die das Baugeld wieder auf ein günstigeres, faires Level bringen könnte.

Warnung vor Inflation

Zumindest kurzfristig. Langfristig betrachtet steigert sich dagegen durch die von EZB-Chef Jean-Claude Trichet vorgestellten Pläne die allgemeine Angst vor einer rapiden Geldentwertung nach der Krise. Die Massen an frischem Geld, die durch die Konkunkturpakete und die Geldpolitik der Notenbanken in den Markt fließen, können nach Ansicht vieler Experten beim Abklingen der Krisensituation nicht schnell genug wieder herausgezogen werden. Da würde zu einer starken Inflation führen, die die kurzfristigen positiven Effekte der Konjunkturbelebung durch die Maßnahmen von Staat und Banken letztendlich zu einem negativen Ergebnis führt. Es gilt daher, Augenmaß zu bewahren und die teilweise stark überzogenen Aktionen anderer Notenbanken nicht auf die Euro-Zone zu übertragen. Nach Informationen der Zeitung “Die Welt” versicherte Trichet jedoch, entgegen der Behauptungen von Kritikern gebe es durchaus Pläne und Strategien zum zeitnahen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes. Es sei nur noch keine “endgültige Entscheidung” darüber getroffen worden, wie das Geld aus dem Markt wieder abgezogen werden soll, wenn sich Konjunktur wie erwartet im Verlauf des nächsten Jahres wieder langsam erholt.

Hinterlasse eine Antwort